Chronische Sprunggelenksinstabilität

16.11.2015

Chronische Sprunggelenksinstabilität

 

Sprunggelenksverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates.

Dadurch entwickelt sich oft eine chronische Instabilität, die zu sportlichen und beruflichen Einschränkungen oder aber zur Minderung der Lebensqualität führen kann.

 

Bei Mannschaftssportarten betreffen mehr als 30% aller Verletzungen das Sprunggelenk, meist den äußeren Seitenbandkomplex. Auf Basis einer Bandzerreißung kommt es bei 20 – 30% der Verunfallten zu einer chronischen Beschwerdesymptomatik, in Form einer Instabilität mit Nachlasssymptomatik, zu Belastungsschmerzen mit wiederkehrenden Schwellungen, aber auch zu einer Bewegungsbeeinträchtigung mit Gelenksblockaden.

Nicht selten führt dies zu einer Sport- oder im schlimmsten Fall sogar Berufsunfähigkeit.

 

Eine Instabilität resultiert aus muskulärer Schwäche, neurologischen Störungen durch Zerreißung von Nervenendfasern, vornehmlich jedoch einer Bandschwäche.

 

Bei Sprunggelenksverletzungen sind häufig die äußeren Bänder, manchmal die inneren Bandstrukturen, selten aber auch die Syndesmose (bandartige Verbindung vom Außenknöchel zum Schienbein vorne) beteiligt.

 

Diagnostik:

 

Klinisch:

Zu diagnostizieren sind diese Veränderungen durch klinische Untersuchung (Inspektion, Beurteilung des Bewegungsausmaßes, Abtasten der typischen Schmerzpunkte, Prüfung der Stabilität des Bandapparates) sowie bildgebende Untersuchungen.

 

Bildgebende Verfahren:

Die objektive Diagnostik umfasst konventionelle Röntgenaufnahmen, aber auch Stressaufnahmen (gehaltene Aufnahmen) im Seitenvergleich, eventuell kernspintomographische, aber auch computertomographische Untersuchungen, insbesondere zur Darstellung von Knorpel-, Knochenverletzungen.

 

Therapie:

 

Die Therapie der Sprunggelenksinstabilität ist primär nicht operativ.

In Abhängigkeit des Verletzungsausmaßes sind jedoch auch operative Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich.

Nach Beendigung der Bandheilungszeit sind weiterhin physiotherapeutische Maßnahmen (z. B. Wackelbrettbehandlungen, Therapiekreiseln, etc.), Einlagenversorgung, evtl. eine Orthesenversorgung möglich.

 

Besteht länger als 6 Monate eine therapieresistente Instabilität, ist eine Operation angezeigt, zur Behandlung von Knochen-, Knorpelverletzungen, eventuell Lösung von Verwachsungen durch Arthroskopie, da über 90% der arthroskopierten Sprunggelenke Begleitverletzungen im Gelenksraum selbst zeigen, und können auf diese Weise Einklemmungen durch Narben, eventuelle Bandreste, oder eine aufgequollene Gelenksschleimhaut operativ saniert werden.

Bei verbleibender Bandinstabilität sind Wiederherstellungsverfahren (Bandrekonstruktionen durch Raffungen überdehnter Bänder, Verstärkung durch Beinhautlappen, aber auch Sehnenfesselungsoperationen) möglich, die eine wesentliche Funktionsverbesserung bei nur äußerst geringer Bewegungseinschränkung erwirken.

 

All diese stabilisierenden Verfahren bedürfen einer 6-wöchigen Ruhigstellung (anfänglich Kunststoffgipsverband, nach 10 – 14 Tagen stabilisierende Sprunggelenksorthese).

 

Sollte eine Verrenkung der Wadenbeinsehnen um den Außenknöchel vorliegen, ist auch diese operativ in ähnlicher Weise zu behandeln.

 

Gesamt gesehen sind die Ergebnisse als „sehr gut“ zu klassifizieren und ist es das Ziel, eine Wiedereingliederung in das Beruf- und Sportlerleben zu ermöglichen.

 

Um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen, ist es wichtig, im unfallnahen Zeitraum eine entsprechende Diagnostik durchzuführen und geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten, um nicht die Behandlung zu verschleppen und dadurch zu komplizieren.